Krankenkassen-versicherung für Tiere

Versicherungen für Haustiere sind in der Schweiz ein wachsender Markt. Wer sämtliche Risiken abdecken möchte, muss für Hund oder Katze aber tief in die Tasche greifen.

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2 Kommentare zu „Krankenkassen-versicherung für Tiere“

  1. Tierversicherungen gegen Unfall und Krankheit boomen. Selbst Detailhändler wie Coop und Qualipet werben für Versicherungen und bieten in Zusammenarbeit mir Elvia (Qualipet) oder der Europäischen (Coop) solche an. Die meisten Anbieter in der Schweiz haben Standardversicherungen für Hunde und Katzen. Epona, mit über hundert Jahren der älteste Tierversicherer der Schweiz, hat spezielle Versicherungen auch für Ziervögel, Jagdhunde und andere.
    Die Angebote der Versicherer unterscheiden sich stark. Was bei allen ähnlich ist: Sie nehmen Hunde und Katzen nur bis zu einem gewissen Alter auf (meist ab drei Monaten bis maximal sieben Jahren), was Tierarzt Enrico Clavadetscher und auch Tierrechtler Gieri Bolliger kritisieren. Gerade ältere Tiere, die eine Versicherung nötig hätten, würden ausgeschlossen, sagen sie. Auch Hunde und Katzen mit Erbkrankheiten oder Geburtsgebrechen will keine Versicherung. Die meisten Anbieter kommen auch nicht auf für Impfungen, Kastration, Sterilisation und Zahnbehandlungen. Bei den meisten Versicherungen müssen die Tierhalter 10 oder 20 Prozent jeder Behandlung selber tragen. Einige Versicherungen senken die Prämien, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen werden.
    Zwei Punkte, die es beim Abschluss speziell zu beachten gilt:
    1. Bevor ein Tierhalter eine Versicherung abschliesse, sagt Fritz Bühlmann von Fairsicherungen, sollte er sich die grundsätzliche Frage stellen: «Was ist mein Hund, meine Katze für mich: Haustier oder mehr? Sogar Lebenspartner, mit dem ich alles teile?» Das erleichtere die Wahl der Versicherung. Wer zum Schluss kommt, dass er für sein Tier im Krankheitsfall alles tun würde, wählt eine Versicherung mit hoher Kostendeckung und entsprechend hohen Prämien. Als Alternative empfiehlt der Versicherungsspezialist, eine Kasse fürs Haustier zu führen, in die regelmässig einbezahlt werde und aus der man Tierarztrechnungen bezahle. So müsse man sich nicht an einen Vertrag binden.
    2. Einige Versicherungen erhöhen mit dem Alter der Tiere automatisch die Prämien bei gleichen Leistungen. Das kann ziemlich teuer werden. Auch gab es in den letzten Jahren Fälle, bei denen Versicherer von sich aus den Vertrag aufgelöst haben. Grund dafür waren Tiere, die mehrmals nacheinander teure Behandlungen brauchten. Der Versicherungsexperte empfiehlt, auf jeden Fall auch das Kleingedruckte zu lesen.

    Quelle Tages-Anzeiger, Erika Burri

  2. Das Geschäft mit der Sicherheit ist ein emotionales. Wer weiss schon, ob die Welt morgen noch in Ordnung sein wird. Und die Welt ist manchmal klein, besteht aus einem bewährten Zweierteam: Mensch und Hund oder Mensch und Katze. Die Versicherer wissen darum, dass die kleine heile Welt schnell aus den Fugen geraten kann. Der Hund wird angefahren, bricht sich ein Bein. Die Katze hat Durchfall, muss zum Tierarzt. Wer sich eine Behandlung nicht leisten kann, hat nur eine Alternative: das Tier vom Leiden erlösen, also einschläfern.
    Damit es nicht so weit kommen muss, bieten Versicherer seit einigen Jahren vermehrt Unfall- und Krankenversicherungen für Tiere an. In den USA hat fast ein Drittel der Haustiere eine Versicherung. In der Schweiz, schätzen Experten, sind es gegen 10 Prozent. Bei einer halben Million Hunden und etwa dreimal so vielen Katzen gibt es also noch eine Menge Potenzial.
    Die Mobiliar ist einer von einem halben Dutzend Anbietern in der Schweiz. Sie ist 2009 in den Markt eingestiegen und bietet Tierversicherungen für Hunde und Katzen an. Der TA hat damals berechnet, dass die Versicherung gegen 70 Millionen Franken zusätzliche Jahresprämien einnehmen könnte, wenn jeder Kleintierhalter, der bereits bei der Mobiliar eine Police für andere unvorhergesehene Ereignisse abgeschlossen hat, auch noch sein Tier gegen Unfall oder Krankheit oder beides mitversichert.
    «Schön wärs», sagt Mediensprecher Manuel Inderbitzin. So weit sei man noch lange nicht. Die -absoluten Zahlen sind noch bescheiden: 3000 Hunde und 2100 Katzen haben zurzeit bei der Mobiliar eine Versicherung. Das Prämienvolumen beträgt 1,15 Millionen Franken. Die Nachfrage wachse aber stetig, so Inderbitzin.
    Diagnostik ist aufwendig
    Weil die Mobiliar wie die meisten anderen Versicherer eine Altersguillotine kennt und keine Hunde und Katzen aufnimmt, die älter als vier respektive sechs Jahre sind, kommt die Mehrheit der Haustiere nicht für eine Versicherung infrage. Die Anbieter setzen auf einen Generationenwechsel. Kritiker von Tierversicherungen sprechen von einem «Geschäft mit der Angst».
    Die Versicherer selber sagen, sie deckten ein Bedürfnis ab. Viele Tierhalter wollen das Beste für ihren Hund oder ihre Katze. Für Tiere bietet die Medizin fast alles an, was sie auch für Menschen anbietet. Sogar Alternativmediziner und Homöopathen haben sich auf Tiere spezialisiert. Auch deren Leistung decken gewisse Tierversicherungsanbieter.
    Das immer grössere und auch bessere Angebot sorgt dafür, dass auch bei den Tieren die Gesundheitskosten ständig steigen.
    Früher, sagt Tierarzt Enrico Clavadetscher, habe man den kranken Hund «gründlich untersucht und dann entschieden, was man für ihn tun kann». Heute werde Blut untersucht, geröntgt oder gar ein MRT gemacht. «Das Teure an den meisten Behandlungen», sagt der Vizepräsident der Gesellschaft Zürcher Tierärzte, «ist die aufwendige diagnostische Arbeit.» Eine gründliche Abklärung kostet schnell 800 Franken. Und damit geht es dem Tier noch kein bisschen besser. Ein einfacher chirurgischer Eingriff kommt auf gegen 500 Franken.
    Ist der Eingriff kompliziert, fallen die Kosten viermal so hoch aus. Die Operation eines perforierten Darmes mit anschliessender Hospitalisierung kann gegen 6000  Franken kosten. Und auch wenn eine Katze «nur» an Durchfall und Erbrechen leidet und eine Nacht zur Beobachtung in der Klinik bleiben muss, erhält der Tierbesitzer eine Rechnung von möglicherweise bis zu 800 Franken. Eine Tierversicherung empfiehlt Clavadetscher deshalb vor allem Leuten, bei denen die oben genannten Kosten das Budget sprengen.

    Ab 200 Franken für einen Hund
    Tiere hätten auch ein Recht auf ein gutes Leben, sagt Gieri Bolliger, Geschäftsleiter der Stiftung für das Tier im Recht (TIR). Und auch Tiere sollen mit medizinischer Hilfe alt werden dürfen. «Eine zehnjährige Katze, die krank wird und mit einer Therapie wieder genest, kann danach noch zehn gute Jahre haben.» Eine Behandlung nicht zu machen, nur weil sie dem Tierbesitzer zu teuer ist, findet er unethisch. Deshalb begrüsst auch er Tierversicherungen. Letztlich aber, sagt er, entscheide der Halter über Leben und Tod seines Vierbeiners. Das Gesetz schreibt einzig vor, dass der Tod schmerzfrei sein muss.
    Für welche Versicherung mit welchen Leistungen sich ein Halter entscheidet, hängt davon ab, wie man am Tier hängt oder ob man bereit ist, sich bei Krankheit oder Unfall davon zu lösen. Tierversicherungen gibt es für Hunde ab 200 Franken pro Jahr (mit 500 Franken Selbstbehalt und einer Versicherungssumme um die 1500 Franken pro Jahr). Wer höhere Versicherungssummen in Anspruch nehmen will (bis 6000 Franken, zum Teil gar unbegrenzt), bezahlt dementsprechend mehr Jahresprämie (900 Franken oder mehr). Katzenversicherungen kosten mit ähnlichen Leistungen etwa die Hälfte der Jahresprämien für Hunde.
    Auch wenn Tierarzt Clavadetscher und Tierrechtler Bolliger Tierversicherungen begrüssen, warnen sie auch: Tierhalter sollen sich vorab eingehend informieren.

    Quelle Tages-Anzeiger, Erika Burri

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